Die eigene Kreativität entdecken und fördern

Schon Albert Einstein meinte, dass Fantasie für den Menschen wichtiger sei als Wissen. Im Seminar „Schreiben aus dem Unterbewusstsein“ erhalten Sie die Möglichkeit, Ihre ureigene Kreativität zu erkunden. Märchen helfen dabei, die Phantasie zu beflügeln, Blockaden zu lösen und das Schreiben in das eigene Leben zu integrieren. 

Oft werde ich gefragt, wie ich zum Schreiben und zu meinen Seminaren gekommen bin. Auslöser für beides war dieses Seminar, das ich 2004 bei Sonja von Eisenstein in Goldegg besucht habe.

Schon seit meiner Teenagerzeit wollte ich schreiben, aber lange Zeit habe ich meine Texte immer gleich selbst lektoriert und korrigiert, so dass ich das Schreiben spätestens nach einer halben Seite wieder aufgegeben habe. Ich hielt mich für unbegabt! Die Lust, zu schreiben, blieb jedoch.

3 MĂ„RCHEN AN EINEM WOCHENENDE

Als ich in diesem Seminar an einem Wochenende drei Märchen schrieb, war der Bann gebrochen. Und das, obwohl ich damals mit Märchen eigentlich nichts „am Hut“ hatte! Seither schreibe ich gerne Märchen, aber auch Kurzgeschichten, Artikel, Blogbeiträge usw. und in meiner Schreibtischschublade warten einige Buchprojekte darauf, realisiert zu werden. Das Wunderbare an diesem Seminar ist, dass meine Kreativität in vielerlei Richtungen geweckt wurde! Ich habe seither auch einige Seminare und Vorträge entwickelt, die ich mit Erfolg halte.

Die positive Erfahrung, aber auch den Spaß, sich über das Schreiben von Märchen als kreativen Menschen wahrzunehmen, gebe ich deshalb gerne in meinen Seminaren weiter (nachdem ich die Ausbildung bei Sonja von Eisenstein 2006 absolviert habe).

Denn vielen Menschen ergeht es ähnlich wie mir – sie scheitern oft an ganz banalen inneren oder äußeren Widerständen. Selbstzweifel, schlechte Erfahrungen aus der Schulzeit, Rechtschreibschwächen oder die Angst vorm Versagen zählen zu den größten Stolpersteinen, wenn es darum geht, eigene Geschichten zu Papier zu bringen.

SCHREIBEN ALS SCHĂ–PFERISCHER PROZESS

Die Schreibeinheiten dauern jeweils eineinhalb Stunden in einem Zustand völliger Entspanntheit. Das Seminar findet an drei aufeinanderfolgenden Tagen statt und löst einen intensiven Prozess der Selbsterfahrung aus. Eine Teilnehmerin beschrieb ihre Erfahrung zum Beispiel mit folgenden Worten: „Das Seminar war sensationell. Es kehrt das Unterste zuoberst und wenn man das Hirn ausschaltet, beginnt die Schrift zu fließen.“

Beim „Schreiben aus dem Unterbewusstsein“ erweitern Sie Ihre bildliche Vorstellungskraft, die für die Bewältigung von Beruf und Alltag große Bedeutung hat.

 

VĂ–LLIG ENTSPANNT DIE EIGENE KREATIVITĂ„T ENTDECKEN

Zu den Teilnehmern und Teilnehmerinnen zählen Privatpersonen ebenso wie Journalisten, Psychotherapeuten, Marketingfachleuchte oder Kommunikationstrainer. Nach einer Fantasiereise sowie vorbereitenden Schreibübungen werden Sie angeleitet, Ihre persönlichen Märchen zu schreiben. Für viele ist es das allererste Mal, dass sie schöpferisch tätig werden, für andere eine weitere Entwicklungsstufe bei der Erkundung der eigenen Kreativität. Im Sinne der Kreativitätsentfaltung wird nicht auf Rechtschreibung, Sprachgewandtheit oder Schreibstil geachtet. Es sind keinerlei Vorkenntnisse erforderlich!

 

Veröffentlicht unter Tipps für tolle Texte | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Buchtipp: „Biografiearbeit in Beratung und Coaching“

Da ich selbst eine Ausbildung in Biografiearbeit abgeschlossen habe und u. a. als Seminarleiterin und Coach in der Erwachsenenbildung tätig bin, hat mich dieses kompakte Buch (95 Seiten) besonders angesprochen. Vieles darin kenne ich aus den zahlreichen Seminaren, die ich beim Autor besuchen durfte; einiges habe ich auch schon in eigenen Veranstaltungen angewendet.

Und doch ist es sehr angenehm, einschlägige Beispiele aus der Praxis so übersichtlich in einem Buch zu finden – was einem nebenbei erspart, lange in Seminarunterlagen herumzusuchen.

Generell schätze ich an den Büchern von Hubert Klingenberger die strukturierte und übersichtliche Herangehensweise. Hier muss man sich nicht mühsam durch Unmengen von Text durchwursteln (wie bei so manch anderen Autoren), es ist auch nicht erforderlich, das Buch zuerst mal von A bis Z zu lesen.

Das Inhaltsverzeichnis ist in vier Kapitel gegliedert, in denen der Autor zahlreiche Tipps gibt, welche Arten von Coachings es gibt und wie sie gestaltet werden können, z. B. in Kapitel 2, „Der Lernweg im Biografischen Coaching“. Passend zu den Kapiteln werden insgesamt 16 Methoden vorgestellt, die im Methodenverzeichnis übersichtlich aufgelistet werden: mit aussagekräftigen Titeln – beispielsweise „Methode 9 – Zuversichtliches Fragen“.

Darüber hinaus findet man am Ende jedes Kapitels (vor dem Methoden-Teil) Buchtipps „Zum Weiterlesen“.

 

Da sich unsere Lebenswelten drastisch geändert haben, gibt es im Grunde keine „Normalbiografie“ mehr. Wir sind selten nur mehr in einem Beruf von der Ausbildung bis zur Pension tätig, haben wesentlich mehr Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten als früher und müssen daher viel öfter Entscheidungen treffen – darum ist Biografiearbeit von so großer Bedeutung. Aufgrund dessen geschieht es häufig, dass man selbst den „Wald vor lauter Bäumen“ nicht mehr sieht und einen Coach benötigt, der einen mit ausreichend Abstand aus einer anderen Perspektive beraten und begleiten kann.

Besonders praktisch finde ich, dass jedes Buch einen persönlichen Code hat, mit dem man sich kostenlos sämtliche Methoden herunterladen kann. Das erspart aufwendiges Gestalten von Unterlagen, stattdessen kann man die passende Methode für sein Coaching auswählen, ausdrucken und im Coaching verwenden.

Biografisches Coaching kann sicherlich in vielen Bereichen erfolgreich angewendet werden, wie in der Berufs-/Karriere- und Sozialberatung, ich denke sogar in der Psychotherapie.

Ich werde das Buch auch in meinen Legasthenietrainings für Erwachsene einsetzen. Viele Legastheniker/-innen sind nicht mit großem Selbstbewusstsein ausgestattet, da sie in ihrer Schulzeit öfters hören mussten, dass sie dumm seien. Doch gerade Legastheniker haben häufig andere, möglicherweise kreativere Herangehensweisen an die Herausforderungen des Lebens. Auch in diesem Kontext ist die ressourcen- und lösungsorientierte Biografiearbeit eine große Hilfe, da vielen Menschen (nicht nur Legasthenikern) die eigenen Stärken nicht (ausreichend) bewusst sind.

„Biografiearbeit in Beratung und Coaching – Anlässe, Übungen, Impulse“ von Dr. Hubert Klingenberger ist erschienen bei Don Bosco Medien, München

Veröffentlicht unter Aktuelles | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

„LINA war definitiv eine Traumrolle“

Interview mit der Hauptdarstellerin der Lina Loos in LINA, Sarah Born 

Liebe Frau Born, auf Ihrer Website habe ich gelesen, dass Sie eine sehr vielseitige Ausbildung genossen haben, u. a. haben Sie eine Zirkusschule besucht und eine Gesangsausbildung absolviert. Wollten Sie immer schon Schauspielerin werden oder womöglich lieber Zirkusartistin oder Sängerin oder etwas ganz anderes?

Meine Schwester ist Zirkusartistin und ich hab sie immer sehr bewundert, als ich klein war. Aber so, wie sie als Kind immer gesagt hat: „Ich will Clown werden!“, hab ich mir gedacht: Ich will Geschichten wirklich erleben und nicht nur zuschauen oder zuhören müssen!

Das andere hat sich so ergeben, weil’s Spaß gemacht hat, und ich freue mich immer, wenn ich Zirkus und Gesang mit dem Spielen verbinden kann. Allerdings hat es davor auch eine Phase gegeben, während der ich unbedingt Bäuerin und dann Film-Tiertrainerin werden wollte …

Wie sind Sie zur Rolle der Lina Loos gekommen?

Das Regieteam war bei unserem Schauspielschul-Abschlussstück und hat mich anschließend zum Vorsprechen eingeladen – das super nett war, weil Walter, der Produzent und Hauptregisseur (Anm.: Walter Wehmeyer), eigens Apfelkuchen für alle eingeladenen SchauspielerInnen gebacken hatte! Dann gab es eine erste, eine zweite und ein dritte Vorsprechrunde mit unterschiedlichen Kollegen und Kolleginnen und in unterschiedlichen Konstellationen. Und dann war ich kurz vor meiner Diplomprüfung mit meiner Familie übers Wochenende irgendwo in den Bergen unterwegs – als ich die Nachricht bekommen habe, dass sie mir gerne die Rolle der Lina anbieten würden. Da hab ich erst mal ein bisschen herumlaufen müssen, um nicht vor Glück und Freude zu platzen – ich glaub, es war ein sehr lustiges Bild für meine Familie.

Haben Sie sich auf die Rolle speziell vorbereitet? Und wenn ja, wie?

Zuerst habe ich mich eine Weile mit dem Drehbuch und dem Fin de Siècle in Wien beschäftigt. Dann haben wir mit den unterschiedlichen Regisseuren die jeweiligen Szenen geprobt. Wir Schauspieler und Schauspielerinnen hatten einen guten Draht zueinander und haben uns vor allem in den Wochen vor dem Dreh immer wieder getroffen. Da haben wir über unsere Figuren und Bücher, die wir zu der Zeit gelesen hatten, geredet oder sind ins Museum gegangen. Mit Johannes (Johannes Schüchner, Anm.), der den Loos spielt, hab ich mich in das original Wohnzimmer des Ehepaares Loos aus der Bösendorferstraße im Wien Museum gesetzt und dann haben wir einfach mal geschaut, wie der Raum auf uns wirkt. Wien ist gerade für historische Geschichten eine großartige Stadt, weil man nur auf die Straße zu gehen braucht und schon steht man quasi an Originalschauplätzen – die einfach schon viel mit einem machen.

Fühlen Sie eine gewisse Seelenverwandtschaft mit Lina Loos, was es womöglich erleichtert hat, in diese Rolle zu schlüpfen?

Ja, es gibt einige Dinge an Lina – oder zumindest das, was sich rekonstruieren lässt –, was mich sehr bewegt und inspiriert und dem ich mit großer Achtung begegne – z. B. ihren Mut und ihre Konsequenz, ihren eigenen Weg zu gehen und sich selbst treu zu bleiben, sich zu vertrauen, auch wenn einem die Gesellschaft und sein Umfeld andauernd sagt: „Nein, so wie du das machst, ist das nicht richtig.“

Ich kann mich erinnern, ich bin irgendwann mal zwischen Vorsprechrunde zwei und drei in der U-Bahn gestanden und bin fast von dem GefĂĽhl ĂĽberrollt worden, dass ich einfach tot umfalle, wenn ich Lina nicht spielen darf! Zum GlĂĽck ist es nicht so gekommen.

Nein, so krass ist das dann in der Realität natürlich nicht – aber man kann sehr viel von seinen Figuren lernen, und ich glaube, dass es sehr wichtig ist, eine große Leidenschaft, Nähe oder Hingabe für eine Figur zu empfinden, das erleichtert vieles – vor allem auch dann, wenn mal die Bedingungen in der Produktion schwierig werden.

Was sind Ihre aktuellen Projekte?

Wir haben gerade die Dokufiction „Manaslu – Berg der Seelen“ unter der Regie von Gerald Salmina auf 3500 m abgedreht – da wird die Luft schon recht dünn da oben … In dem Film geht es um den Extrembergsteiger Hans Kammerlander und seine Besteigungsversuche des Manaslu in Nepal. Ich spiele Brigitte Kammerlander, seine Frau, die damals via Funk miterleben musste, wie ihr Mann und zwei ihrer besten Freunde in einen fürchterlichen Sturm gerieten, den nur Hans überlebt hat.

Und dann bereite ich mich gerade auf ein neues Projekt vor – für das im März/April gedreht wird. …

Bevorzugen Sie Film- oder Theaterrollen oder ist Ihnen beides gleich lieb?

Hmm, schwierig – das sind zwei schwer zu vergleichende Formate. Die Arbeit und vor allem die Technik ist ganz anders. Ich bin streckenweise im Theater aufgewachsen, Film ist jetzt erst in den letzten Jahren dazugekommen. Im Theater ist alles möglich und Drehen ist eine Abenteuerreise – ich möchte beides nicht missen.

Sie waren ja kürzlich 3 Monate in New York in einem Schauspielstudio im Rahmen eines Stipendiums … Ist eine Karriere am Broadway oder in Hollywood ein Traum von Ihnen?

Haha, ich sag natürlich nicht Nein, wenn sich was ergibt – aber der große Traum ist es nicht. Ich mag die Zeit und die, nennen wir es mal, Ruhe, die man für Projekte hier in Europa hat. In Amerika trainieren ist (im sprichwörtlichen Sinne) ein „Trainieren mit Gewichten“, das verlangte Niveau ist sehr hoch, weil es einfach so unglaublich viele gute Leute gibt – d. h. gut ist nie gut genug, wenn man zwischen 1000 MitbewerberInnen Aufmerksamkeit auf sich lenken möchte. Zu dem System kann man stehen, wie man will – aber es zwingt einen, sich als SchauspielerIn ständig weiterzuentwickeln und das ist etwas, was mir schon sehr taugt …

Wie unterscheidet sich eine Schauspielfortbildung in den USA von einer Schauspielausbildung in Europa?

In Europa sagen sie einem 1 + 1 = 2 (vielleicht manchmal 3), in den USA 1 + 1 = „whatever you want“. Europa – oder das Europa das ich erlebt habe – ist sehr schematisch. Es geht viel darum, „so macht man das hier und so macht man das nicht, das ist gut und das ist kacke“ und „ich bin der Dozent, also hast du das so zu machen, wie ich mir das vorstelle“. So etwas hilft einem natürlich auf einer technischen und handwerklichen Ebene, aber es ist eben auch restriktiv. In Amerika – so wie ich das jetzt erleben durfte – geht es vor allem um Selbsterforschung und Training einer tiefgreifenderen Selbstwahrnehmung. Das hilft, um sehr persönlich, unmittelbar und vor allem ganzheitlicher spielen zu können – das Verhalten, das dabei entsteht, ist sehr menschlich und menschliches Verhalten – im Rahmen der jeweiligen Geschichte, die erzählt wird –, das wahrhaftig ist, kann nie richtig und nie falsch sein.

Ich fand das Training in den USA sehr befreiend und inspirierend und bin gleichzeitig dankbar für die europäische Technik – für mich ist das eine super Ergänzung und Bereicherung.

Welche Frauengestalt wĂĽrden Sie gerne darstellen, d. h., haben Sie eine Traumrolle?

 Lina war definitiv so eine Traumrolle! Im Moment würde ich total gerne eine „Bösewichtin“ spielen.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Hmm, irgendwo, wo es Sonne gibt und es warm ist – da lässt sich der Winter leichter aushalten …

Herzlichen Dank fĂĽr das Interview und weiterhin viel Erfolg!

 

Ich bedanke mich auch beim Produzenten und Co-Regisseur Walter Wehmeyer, der mir neben zahlreichen Hintergrundinformationen auch die Bilder aus LINA bzw. von den Dreharbeiten zur Verfügung gestellt hat: www.walter-wehmeyer.com

Sarah Borns Website: https://sarahborn.net

Website des Films LINA (mit aktuellen Vorstellungsterminen): www.lina-derfilm.at

Wer mehr über Lina Loos erfahren will, dem empfehle ich auch die Lektüre von „Lina Loos – oder wenn die Muse sich selbst küsst” von Lisa Fischer (erschienen im Böhlau Verlag)

 

Veröffentlicht unter Frauen vor den Vorhang | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

100 Jahre Frauenwahlrecht in Ă–sterreich

Was bedeutet das fĂĽr uns heute?

Hundert Jahre ist es her, dass Frauen in Österreich das allgemeine Wahlrecht zuerkannt wurde. Dem allgemeinen Wahlrecht, insbesondere dem Frauenwahlrecht, ging ein langer Kampf voraus – vor allem auch, weil die Frauen erst die politisch damals allein entscheidenden Männer überzeugen mussten.

Ausschlaggebend für die Einführung des Frauenwahlrechts war unter anderem die zunehmende Industrialisierung und Demokratisierung. Immer mehr Frauen waren in Fabriken beschäftigt und litten unter den schlechten Arbeitsbedingungen und der wesentlich schlechteren Bezahlung im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen. Deshalb ist die Geschichte des Kampfes ums Frauenwahlrecht auch eng verknüpft mit der Arbeiterbewegung. Damit einher ging jedoch auch der Kampf der Frauen um Bewegungsfreiheit, ihren freien Zugang zu Bildung, die freie Berufswahl und damit auch wirtschaftliche Unabhängigkeit.

Man hält es übrigens fast nicht für möglich, dass Frauen in Österreich erst seit 1975 ohne Zustimmung des Ehemannes berufstätig sein dürfen!

Doch viel ist immer noch zu tun, so klafft auch heute noch eine Lücke zwischen den Einkommen der Männer und Frauen, von Gleichbehandlung (vor allem auch im Berufsleben) sind wir teilweise noch weit entfernt.

„Man wird erst wissen, was die Frauen sind, wenn ihnen nicht mehr vorgeschrieben wird, was sie sein sollen.“ (Rosa Mayreder, 1858–1938, österr. Künstlerin, Frauenrechtlerin)

 

Die ersten 8 weiblichen Abgeordneten im österreichischen Parlament

Dr. Hildegard Burjan (1883–1933) – Sozialpolitikerin, Gründerin von Caritas Socialis, als „Gewissen des Parlaments“ und „Heimarbeiterinnenmutter von Wien“ bezeichnet

Anna Boschek (1874–1957) – Fabrikarbeiterin, Gewerkschafterin

Emmy Freundlich (1878–1948) – Schriftstellerin, Direktorin im Bundesministerium für Volksernährung

Adelheid Popp (1869–1939) – Begründerin der proletarischen Frauenbewegung in Österreich

Gabriele Proft (1879–1971) – Heimarbeiterin, Hausgehilfin

Therese Schlesinger (1863–1940) – setzte sich für Mädchenbildung, Kinder-/Jugendschutz und Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein

Amalie Seidel (1876–1952) – Arbeiterin, organisierte den ersten Frauenstreik Österreichs (Forderung: Reduzierung der täglichen Arbeitszeit von 13 auf 10 Stunden)

Maria Tusch (1868–1939) – Arbeiterin, engagierte sich für bessere Arbeitsbedingungen und die Besserstellung der Frauen

  

 

 

Veröffentlicht unter Aktuelles, Frauen vor den Vorhang | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Wie wichtig ist der Hausverstand?

Warum selbstständiges Denken und Handeln wichtig sind

Wir haben heute für alles eine App auf dem Handy. Im Auto haben wir ein Navi und in naher Zukunft wird es selbstfahrende Autos geben. Der smarte Haushalt erledigt sich dann quasi auch von allein. Gehen wir also einer goldenen Zukunft entgegen oder werden wir immer mehr zu Dummköpfen, die keine eigenständigen Entscheidungen mehr treffen können? Ja, noch schlimmer, die die einfachsten Dinge nicht mehr ohne elektronische Hilfe bewältigen?

Sind wir nicht bereits heute zu fremdbestimmt und zu leichtgläubig? Warum fehlt uns oft eine gesunde Skepsis?

Wir haben heute zu viel Auswahl, deshalb werden Entscheidungen immer schwieriger und überfordern uns oft. Egal ob wir eine Packung Milch oder einen Fernseher kaufen wollen. – Wir haben zu viele Informationen: Wir werden rund um die Uhr informiert und vergessen dabei, dass die meisten Nachrichten von Agenturen und Medienkonzernen gesteuert werden. Wie sollen wir herausfinden, was davon richtig ist?

Heute spiegelt der Mainstream (engl. Hauptströmung) den kulturellen Geschmack einer großen Mehrheit wider. Wer eine andere Meinung hat, ist automatisch Außenseiter. Seine eigenen Ansichten zu vertreten, kann auch in einem demokratischen Land Widerstand erzeugen. Sehr oft folgen wir dem Mainstream, um nur ja nicht aufzufallen oder anzuecken.

So bestimmt heute nicht die Schwarmintelligenz, sondern die Schwarmdummheit unseren Alltag.

Die Werbung und die Medien suggerieren, was wir brauchen. Unsere Wirtschaft ist meist nur auf Wachstum und Konsum ausgerichtet, ob dies der Umwelt oder uns Menschen schadet, ist sekundär.

In der Schule lernen wir vor allem, Vorgekautes nachzubeten, statt selbstständig und kreativ zu denken. Der deutsche Neurobiologe Gerald Hüther stellte fest, dass die Lust der Kinder am Entdecken und Gestalten, am Lernen und Erwerb neuer Fähigkeiten von der Schule immer mehr darauf reduziert wird, die Erwartungen der Erwachsenen zu erfüllen. Kinder sollten jedoch ihrer Entdeckerfreude, ihrer Gestaltungslust freien Lauf lassen, alles Mögliche ausprobieren und herausfinden können, was ihnen besonders liegt. Nur dann können sie als Erwachsene auch kreativ Lösungen für Herausforderungen und Probleme finden.

Mit unserem derzeitigen Bildungssystem wird der Mensch jedoch funktional gemacht, zu jemandem, der sich möglichst unauffällig in den Mainstream einordnet. Auch der Philosophieprofessor Konrad Paul Liessmann stellt bedauernd fest, dass man heute einem 18-jährigen Maturanten nicht mehr zutraut, eigenständige Gedanken zu entwickeln.

 

Der Ausdruck „gesunder Menschenverstand“ (= Hausverstand) bedeutet den einfachen, erfahrungsbezogenen und allgemein geteilten Verstand des Menschen bzw. dessen natürliches Urteilsvermögen. (Wikipedia)

 

Die Lust am eigenen Denken

Doch unser Gehirn strukturiert sich anhand der Lösungen, die wir im Lauf unseres Lebens auf der Suche nach dem finden, was uns glücklich macht. Lebenswelt, Herausforderungen und Erfahrungen wirken sich auf unser Gehirn aus. Damit sich Menschen weiterentwickeln, benötigen sie die Lust am eigenen Denken. Das wäre auch die beste Prophylaxe gegen Demenzerkrankungen.

Wir leben heute in der westlichen Welt in einer Komfortzone – ängstlich darauf bedacht, dass alles so bleibt. Wir verändern uns nicht mehr, verlieren dadurch an Vitalität und viele leben wie in Trance: mit Kopfhörern im Ohr, den Blick starr auf Smartphones und Bildschirme gerichtet.

Viele verwechseln das virtuelle Leben von Handy, PC, Internet mit der Realität, statt sie als Option, als Wahlmöglichkeit zu nutzen. Oft nutzen wir unsere Potenziale zu wenig, trauen unseren eigenem Urteilsvermögen nicht, sondern hören auf zweifelhafte Experten.

Hinschauen und hinterfragen ist ziemlich aus der Mode gekommen, um sich eine eigene Meinung zu bilden und zu handeln. Wozu ist diese auch überhaupt noch gut bzw. notwendig? Wir können ja eine konsumieren, ob aus den Zeitungen oder Facebook, dafür braucht man nicht viel Hirn, von Bildung gar nicht zu reden.

Wie können wir uns wieder auf uns selbst besinnen und herausfinden, was für uns selbst richtig ist?  Machen wir uns auf, unseren gesunden Menschenverstand und unsere ureigene Kreativität (wieder) zu entdecken: Denn sie ermöglichen uns, mit den Wechselfällen des Lebens wesentlich leichter umzugehen.

Ein paar Vorschläge, wie es funktionieren könnte, habe ich in meinem Vortrag für Sie vorbereitet. Sprechen Sie mich an!

Film- bzw. Buchtipps:

  • „Alphabet – Angst oder Liebe“ – ein Film von Erwin Wagenhofer
  • Vera F. Birkenbihl: u. a. „Das Birkenbihl-Alpha-Buch“
  • Gerald HĂĽther: „Etwas mehr Hirn bitte. Eine Einladung zur Wiederentdeckung der Freude am eigenen Denken und der Lust am gemeinsamen Gestalten“
  • Rita Steininger: „FĂĽr helle Köpfe – Fitness fĂĽrs Gehirn“

 

Veröffentlicht unter Aktuelles, Gedankensplitter | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Seminartipp: Texte mit Biss – 7 Grundrezepte für knackige Texte

Worauf es beim Texten ankommt

Wer Erfolg haben will, egal in welchem Beruf, sollte die Leser und Leserinnen nicht mit umständlichen Texten oder Schachtelsätzen langweilen.

Folgende 7 Grundrezepte helfen Ihnen, Ihre Texte interessanter, prägnanter und leserfreundlicher zu formulieren:

1. Verben, Verben, Verben

Zeitwörter (Verben) machen rund ein Viertel unseres Wortschatzes aus. Leider werden sie immer häufiger von Hauptwörtern (Substantiven) verdrängt, die einen Text jedoch schwerfällig und schwer verständlich machen. Im Zweifelsfall entscheiden Sie sich besser für das Verb. Ihre Texte werden dadurch viel lebendiger.

2. Adjektive maĂźvoll einsetzen

Eigenschaftswörter werden oft falsch verwendet und machen einen Text meist nicht interessanter, anschaulicher oder verständlicher (auch wenn wir wahrscheinlich in der Schule etwas anderes gelernt haben). In Maßen sind sie jedoch hilfreich, z. B. bei Unterscheidungen. Sie können auch Situationen oder Vorgänge veranschaulichen, wie „bedrückende Stille“. Prüfen Sie immer, ob ein Adjektiv notwendig ist. Rotes Ketchup oder weiße Mayonnaise sind in jedem Fall überflüssig.

3. Substantive unter die Lupe nehmen

Manche Autoren versuchen, besonders mit Fremdwörtern zu beeindrucken. Behalten Sie immer die Leser im Blick: Für ein Fachpublikum können Sie anders schreiben als für Otto Normalverbraucher.

Heute sind Anglizismen weit verbreitet. Denken Sie immer daran, dass viele Menschen sie nicht verstehen, häufig sind sie auch nicht kürzer als ihre deutsche Entsprechung. Kurze Wörter erleichtern das Verständnis und einsilbige Wörter sind kraftvoller als Silbenschleppzüge: Herz, Mut, Kraft oder Ziel.

4. Flüssig lesbare Sätze

Sätze sollten immer überschaubar sein. Kurze Sätze sind meist verständlicher, doch eine Aneinanderreihung von kurzen Sätzen ist auch nicht leserfreundlich. Entscheidend für die Lesbarkeit ist weniger die Zahl der Wörter pro Satz, sondern die Einhaltung des Gesetzes der 3 Sekunden: So lange dauert ein angenehm empfundener Händedruck. Alles, was darüber hinausgeht, ist für unser Gehirn nicht mehr als Einheit erfassbar.

5. Leser ködern

Zuerst müssen Sie sich über Ihre Zielgruppe klar werden. Wenn Sie diese kennen, können Sie auch den richtigen „Köder“ auswerfen: Denn wie beim Fischen muss der Köder (Text) dem Fisch (Empfänger) schmecken, nicht dem Angler (Autor).

Je konkreter Sie schreiben, desto eher bringen Sie das Kopfkino der Leser in Gang. Vermeiden Sie schwammige Formulierungen und Floskeln. Schreiben Sie „von Anis bis Zimt“ statt „Gewürze“, damit sprechen Sie beide Gehirnhälften der Leser an.

6. Leser behalten

Der Literaturnobelpreisträger William Faulkner sagte: „Schreibe jeden Satz so, dass man neugierig auf den nächsten wird.“ Deshalb ist es wichtig, dass Ihr Text einen roten Faden hat. Eine Mindmap kann Ihnen helfen, eine Struktur zu finden. Achten Sie auf korrekte Rechtschreibung und Zeichensetzung.

7. Ăśberarbeiten

Gute Texte erfordern meist mehrere Überarbeitungsschritte. Ihr Leser will Ihren Text verstehen, er will nicht zurücklesen müssen, er wird eher umblättern oder weiterklicken, als sich durch einen schwer verständlichen Text zu plagen.

Sie möchten Ihre Texte verbessern? Ich verrate Ihnen die „7 Grundrezepte für knackige Texte“ ausführlich in einem ein- bis eineinhalbtägigen Seminar – gerne zugeschnitten auf Ihre speziellen Anforderungen.

Im Seminar erwartet Sie u. a. auch:

  • Alternativen zu Schachtelsätzen
  • Die 3 Ns: Neuigkeit, Nähe, Nutzen
  • Warum Sie konkret, aktiv und positiv schreiben sollen
  • Einfach ist nicht einfältig
  • Die neue deutsche Rechtschreibung
  • Die 6 (7) Ws
  • Gendergerechte Texte schreiben
  • StilblĂĽten oder in welche Fallen man nicht tappen sollte
  • Kleines Typografie-ABC
  • Und: zahlreiche Praxisbeispiele

Die Teilnehmer/-innen können eigene Texte zur Bearbeitung mitbringen.

 

Links und Literaturtipps:                                                                                   

  • www.duden.de
  • Wolf Schneider: Deutsch fĂĽr Profis, Deutsch!, Deutsch fĂĽr Kenner u. a.
  • Norbert Franck: Schreiben wie ein Profi
Veröffentlicht unter Tipps für tolle Texte | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

„Für helle Köpfe – Fitness fürs Gehirn”

Der Titel hat mich sofort angesprochen, darum werde ich das Buch bei meinen künftigen Vorträgen „Wie wichtig ist unser Hausverstand? Anregungen zum selbstständigen Denken und Handeln“ sehr gerne weiterempfehlen.

Auf 128 Seiten gibt die Autorin kompakt und übersichtlich viele Tipps für unsere geistige, seelische und körperliche Fitness. Die 10 Kapitel spannen einen weiten Bogen über alle Lebensbereiche von den neuesten Erkenntnissen der Gehirnforschung über Bewegung, Wahrnehmung, Kreativität, Denksport, Ernährung, Entspannung bis hin zum sozialen Miteinander.

Sie stellt außerdem 56 Übungen vor – von „Fragen des Alltags“ über „Duft-Memory“ bis hin zu „Achtsam zuhören“. So kann wirklich jeder nach seinem Geschmack das auswählen, was ihm gefällt.

Denn wie Rita Steininger in Kapitel 2 schreibt, ist alles gut, nur kein Pflichtprogramm. Die Vielfalt macht es aus und der Spaß an der Betätigung – ob beim Denksport, bei körperlicher Bewegung, bei der bewussten Beschäftigung mit unseren Sinnen, beim Essen und sogar beim Entspannen. Denn auch das ist essenziell für unsere geistige Gesundheit.

Dass man geistig fit bleibt, nur wenn man jeden Tag ein Sudoku löst, ist genauso ein Irrtum wie dass man ein Muskelprotz wird, wenn man täglich einen Eiweiß-Shake trinkt.

Unser Gehirn mag Denken, mag Herausforderungen und es mag Bewegung, gesunde Ernährung und viel Flüssigkeit. All das muss aber auch Spaß machen, denn ohne Freude ist alles nichts. Das sind die wichtigsten Voraussetzungen, um unsere grauen Zellen bis ins hohe Alter fit zu halten.

Schon in der inzwischen berühmten Nonne-Studie, die ab 1986 lief, hat David Snowdon an 600 amerikanischen Nonnen bewiesen, dass vor allem geistige Beschäftigung auch im Alter für geistige Fitness sorgt (selbst bei pathologischen Gehirnbefunden, d. h. Alzheimer-Plaques im Gehirn). Inzwischen wissen wir, dass unser Gehirn lebenslang neue Nervenzellen bilden kann.

Etliche Tipps beherzige ich bereits (z. B. Morgenseiten schreiben), andere Übungen werde ich künftig gerne auch bei meinen Seminaren zum „Kreativen Schreiben“ ausprobieren!

Veröffentlicht unter Aktuelles | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Musik bereichert mein Leben oder: Was Beethoven mit Tomaten zu tun hat

Gerade habe ich wieder den 2. Satz von Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 gehört. Ein Stück, das mich immer wieder mit tiefem Frieden und, ja, Glückseligkeit und Harmonie erfüllt wie kaum ein anderes.

Ich kann mich sogar noch genau erinnern, wo ich es zum ersten Mal gehört habe: Ich hatte von einem Kunden eine Schallplatte mit Gustostückerln von Beethoven geschenkt bekommen. Und als ich die Platte auflegte und diesen 2. Satz hörte, war ich völlig ergriffen. Ich lebte damals (es ist sicher schon 30 Jahre her) in einer kleinen Wohnung und sehe mich noch an meinem alten Plattenspieler und spüre noch das Gefühl, dass ich damals hatte. Das immer wieder auflebt, wenn ich dieses Stück höre.

Beethoven und vor allem auch seine Symphonien gehören zu meiner Lieblingsmusik. Wenn ich an komplizierten Texten sitze und nicht mehr weiterweiß, hilft mir Beethovens Musik. Wenn es mir nicht gutgeht, hilft mir Beethoven. Wenn es mir gutgeht, höre ich ihn ebenfalls gerne.

Dabei war diese Liebe zu seiner Musik eher eine Liebe auf den zweiten Blick.

Beethovens Musik hat mich von Anfang an fasziniert, aber zuerst nicht gefallen! Ich wunderte mich, wieso ich fasziniert war und wieso sie mir trotzdem nicht gefiel. Irgendetwas musste da drinstecken, etwas, was man nicht erklären kann … Also habe ich mir immer wieder seine Symphonien angehört, und eines Tages sprang der Funke über. Seither bin ich eine glühende Verehrerin von Beethovens Musik.

Es ist seltsam, aber vielleicht muss man für diese göttliche Musik – verzeihen Sie diese Ausdrucksweise – erst reif werden.

Was hat das jetzt alles mit Tomaten zu tun? Als Kind mochte ich keine Tomaten, sie haben mir einfach nicht geschmeckt. Ich kann mich erinnern, dass ich meinem Opa immer fasziniert zugesehen habe, wenn er Tomaten aufschnitt und aĂź. Sie sahen so appetitlich aus! Immer wieder habe ich sie probiert, das Gesicht verzogen, ausgespuckt, und ich konnte einfach nicht verstehen, dass etwas, was so vielversprechend aussieht, mir einfach nicht schmecken will.

Und eines Tages – schmeckten sie mir! Seither liebe ich Tomaten, insbesondere die kleinen, würzigen, saftigen. Ich esse am liebsten jeden Tag Tomaten und kann mich davon nicht überessen.

Beethoven dosiere ich etwas vorsichtiger. Ich habe Sorge, dass ich mich eines Tages „überhören“ könnte. Außerdem ist Beethovens Musik etwas Besonderes, das mit allen Sinnen genossen werden muss und ich nicht als profane Untermalung missbrauchen will.

Welches MusikstĂĽck berĂĽhrt Sie besonders? Schreiben Sie mir, ich bin gespannt!

Veröffentlicht unter Gedankensplitter | Verschlagwortet mit , | 1 Kommentar

„In Europa geboren worden zu sein, gleicht einem Lottosechser“

Interview mit der Journalistin und Autorin Petra Ramsauer

Petra Ramsauer zählt zu den wenigen Journalisten, die noch nach Syrien reisen können. Immer wieder war sie im Zentrum der Kämpfe, in denen die Menschen verhungern und umkommen – belagert und abgeschnitten von der Außenwelt. Sie hat mit Ärzten gesprochen, die unter Bombenhagel arbeiten, mit Bloggern, die unter Lebensgefahr Nachrichten aus dem Land schmuggeln, mit Kommandanten der bewaffneten Opposition und demokratischen Aktivisten, Vertretern des Regimes und der Kurden, mit Menschen, die geflüchtet sind, und anderen, die trotz allem bleiben.

In einfühlsamen Reportagen erzählt sie von all jenen, die in diesem schrecklichen Konflikt ums Überleben kämpfen.

Petra Ramsauer

 

Wie bist du dazu gekommen, ĂĽber Kriege und Krisen zu berichten?

Das war eigentlich schon immer mein Wunsch. Es ging mir darum, die „andere“ Realität kennenzulernen; den Gegenentwurf zu unserer sicheren Welt in Europa. Das ist ja nur ein Minderheitenprogramm auf unserer Erde. Die meisten Menschen auf der Welt sind irgendwann in ihrem Leben mit Gewalt, extremer Armut und dem Kampf ums Überleben konfrontiert. Das ist vielen von uns fremd. Heute empfinde ich mich vor allem als Übersetzerin zwischen diesen Welten. So hätte ich es damals nicht formuliert, aber im Grund war das meine Motivation.

 

Bist du bei deiner Arbeit auch mit Vorurteilen konfrontiert? Zum Beispiel: Eine Frau schreibt doch nicht ĂĽber Kriege?

Ja. Mit vielen Vorurteilen. Dabei hat eine Frau es oft einfacher als ein Mann. Ich werde nicht so leicht erkannt, beispielsweise, kann leichter in der Menge untertauchen. Angesichts der Entführungsgefahr in vielen Krisengebieten ist das ein immenser Vorteil. Und ich kann mit allen reden. Für einen männlichen Journalisten ist es sehr schwer, mit Frauen Interviews über Gewalterlebnisse zu führen. Dabei ist Gewalt gegen Frauen heute eines der größten Probleme in Krisen und Kriegen: In einem umkämpften Gebiet ist es unter den Betroffenen riskanter, eine Frau zu sein als ein Soldat. Das kann ich aufzeigen. Gleichzeitig sind es Männer gewohnt – auch in sehr konservativen Gegenden –, dass sie westlichen Reporterinnen Interviews geben. Ein Vorurteil, das mich oft ärgert, ist, dass es als Frau in islamisch geprägten Ländern sehr schwer sein soll. Ich frage dann immer zurück, woher diese Meinung kommt, und niemand kann es mir erklären. Faktum ist: über Kriege zu berichten ist immer schwer und belastend.

 

Warum bist du Journalistin geworden?

Ich konnte mir nie einen anderen Beruf für mich vorstellen. Außer Notfallmedizinerin, aber ich bin extrem ungeschickt beim Nähen. Darauf hat mich meine Mutter immer hingewiesen. Dafür kann ich ein wenig schreiben. Ich habe ein besonders gutes Gedächtnis, bin neugierig und hasse Routine. – Das hat gepasst.

 

Wo hast du deine journalistische Ausbildung genossen?

Als Lehrredakteurin im ORF und beim profil, später noch während eines Postgraduate-Studiums in Paris mit Schwerpunkt internationale Reportage.

 

Was war dein Antrieb/Beweggrund, Politikwissenschaften zu studieren?

Weil es ein sehr gutes Fundament für mich war, Journalistin zu werden. Ich habe bei dem Studium auch gelernt, richtig hinzusehen. Ich verdanke meiner Professorin Charlotte Teuber nach wie vor 75 Prozent all meines Wissens zur Geschichte des Nahen Ostens. Ohne sie wäre ich heute niemals die, die ich bin. Und das wäre traurig. Ganz wichtig war auch mein Anteil am Geschichtestudium (damals durften wir noch freie Fächer zu einem Hauptstudium kombinieren!). Die Einführung in das Studium der Geschichte versucht, Quellenkritik zu vermitteln, besonders beim Umgang mit „Primärquellen“. – Das ist heute besonders aktuell, wenn ich über soziale Medien plötzlich eine Fülle von Primärquellen habe und diese kritisch einordnen muss. Auch meine Seminare an der Philosophie haben mich sehr weitergebracht: ich lernte rasch, schwierige Texte zu lesen, und ich lernte zu denken.

 

Du hast „Die Klimarevolution“ und „So wird Hunger gemacht“ geschrieben. Warum hast du dich von Umweltthemen abgewendet?

Umgekehrt: Ich habe mich wieder den Themen angenähert, auf die ich eigentlich spezialisiert bin. Die Umwelt-Themen kamen durch Zufall in mein Leben. Wie John Lennon sagt: Leben ist das, was passiert, während man Pläne macht. Und auf Umweltthemen bin ich gestoßen, während ich auf einen geeigneten Job als Auslands-Redakteurin gewartet habe. Insgesamt ist das ja eine perfekte Lebensmischung. Eine Portion Plan, eine Portion Zufall gut miteinander in Einklang zu bringen. Darum geht es doch. Heute profitiere ich enorm von meiner zweifachen Expertise: So ist der Konflikt in Syrien auch zum Teil ein Klima-Konflikt. Das zu erkennen, zu bewerten ermöglicht mir meine Arbeit an Umweltthemen. Doch mein Herz gehörte immer der Außenpolitik.

 

Was hat dich bewogen, ĂĽber Nahostpolitik zu schreiben und nicht z. B. ĂĽber Innen- oder EU-Politik?

Weil es für mich besser passt. Die Berichterstattung über Innenpolitik und EU-Politik erfordert ein ganz anderes Talent, als ich es habe. Da müsste ich mich sehr stark in juristische und wirtschaftspolitische Fragen einarbeiten. Das ist eine ruhige Tätigkeit. Und es erfordert viel Sitzfleisch bei Gipfeln, Klausuren wie auch die Bereitschaft, sich viel mit den Akteuren und Akteurinnen der heimischen Politik auseinanderzusetzen. Da gibt es Kollegen, die beherrschen diese Disziplin hervorragend. Ich bin eher spontan, reise extrem gerne und es macht mir eine große Freude, auch wenn es oft widriger ist als in Europa zu arbeiten, dort einzutauchen. Es ist oft schwierig zu erklären, was einen fasziniert. Für mich ist es eben diese Region.

 

In ihrem neuesten Buch über Syrien erzählt Petra Ramsauer von all jenen, die in diesem schrecklichen Konflikt ums Überleben kämpfen.

 

Welche Länder hast du für deine Reportagen schon bereist?

Oh, das sind viele: Iran, Irak, Afghanistan, Israel, die palästinensischen Gebiete, Jordanien, Syrien, Ägypten, Libyen, die Ukraine, Georgien, Indien, Bhutan, Pakistan, Indien, Taiwan, China, Kiribati, Sudan, Kenia, Uganda, Malawi, Côte d’Ivoire, Mauretanien, Tschad, Mali, Südafrika, Niger, Kamerun, Libyen, Marokko, Russland und die USA natürlich und in Europa eigentlich jedes Land.

 

Recherchierst du immer vor Ort oder verlässt du dich auch mal nur auf Informanten?

Es kommt sehr häufig vor, dass ich mich auf meine Kontakte verlasse. Aber das sind jene, die ich von früheren Reisen persönlich kenne. Ausschließlich.

 

Woran arbeitest du zurzeit?

An einer Reportage aus Libyen, ĂĽber Migration, ĂĽber verschwundene Kinder auf der Flucht nach Europa und an einer Reportage ĂĽber nach Afghanistan abgeschobene FlĂĽchtlinge.

 

Gibt es schon Pläne für ein weiteres Buch?

Ja. Aber das wird ein ganz, ganz anderes Buch als die anderen fĂĽnf werden. Und es wird, auch wieder anders als bei den anderen, sehr lange dauern, es zu schreiben. Mehr verrate ich noch nicht.

 

Trotz all der Gräuel, mit denen du bei deinen Reisen und Recherchen konfrontiert bist, bist du ein optimistischer Mensch?

Sogar ein sehr optimistischer Mensch! – Mein Kollege Karim El-Gawhary hat in einem seiner Bücher geschrieben: In Europa geboren zu sein, als Europäer, gleicht einem Lotto-Sechser. So empfinde ich es. Da ich das Leben der anderen kenne, kann ich das Leben hier in Österreich so richtig schätzen. Ich bin dafür sehr dankbar und das macht mich glücklich und optimistisch.

 

Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Dazu habe ich ein sehr klares Bild, aber das ist noch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Ich werde sicher noch schreiben, aber mit neuen Zugängen.

 

Bei meinen Recherchen bin ich auf ein vegetarisches Kochrezept von dir gestoĂźen. Ist Kochen dein Hobby, bei dem du von deiner Arbeit abschalten kannst?

Nein. Schreiben und Kochen sind sehr ähnliche Tätigkeiten. Es braucht Intuition, die richtigen Zutaten im richtigen Maß. Es ist beides Alchemie. Ich denke beim Kochen ans Schreiben und beim Schreiben ans Kochen. Hobbys habe ich eigentlich nicht, denn ich habe ein Leben, in dem alles, was ich tue, schön ist und das, was ich 100% tun will. Ich bin, das weiß ich, sehr, sehr verwöhnt von meinem Schicksal.

 

Herzlichen Dank für das Gespräch!

 

Veröffentlicht unter Frauen vor den Vorhang | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Training bei Legasthenie und Lese-Rechtschreib-Schwäche

 

Vor Kurzem habe ich die Ausbildung zur dipl. Legasthenietrainerin abgeschlossen. Diese Ausbildung ist zertifiziert und international anerkannt.

Im Fokus stehen aber nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene. Früher wurde Legasthenie oft nicht erkannt und die Kinder damals nicht oder zu wenig gefördert. Viele legasthene Menschen kämpfen daher als Erwachsene mit diesem Problem, das sehr belastend sein kann. Ich will insbesondere legasthene Erwachsene ermutigen, ein Legasthenietraining in Anspruch zu nehmen. Auch im Erwachsenenalter ist es noch nicht zu spät, flüssiges Lesen und Schreiben zu lernen bzw. zu verbessern. Ein Nebeneffekt eines fundierten Trainings ist ein gesteigertes Selbstbewusstsein.

Die Gesellschaft kann es sich nicht leisten, auf die Potenziale von legasthenen Menschen zu verzichten. Denn: Legastheniker sind oft sehr intelligent, hoch begabt und kreativ! Viele herausragende Persönlichkeiten waren bzw. sind Legastheniker, z. B. Walt Disney oder Bill Gates. Leider ist Legasthenie häufig schambesetzt, weil viele sie immer noch mit Dummheit gleichsetzen. Da sich Legasthenie sehr unterschiedlich zeigt, gibt es darüber noch viele Missverständnisse und Unwissen. Legasthenie ist jedoch keine Krankheit, sondern genetisch bedingt! Nach aktuellen Schätzungen sind 15–20% aller Menschen davon betroffen.

Haben Sie selbst oder Ihr Kind Probleme mit dem Lesen und Schreiben? Hier ist falsche Scham unangebracht. Für Fragen, Tests und Training kontaktieren Sie mich einfach!

Veröffentlicht unter Aktuelles | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar






TransWrite · Erika Krammer-Riedl · office@transwrite.at             
Impressum    Datenschutz    AGB