Unsere Lebensmittel – eine Mogelpackung?

Tonnen von Lebensmitteln werden vor allem an Wochenenden und noch mehr vor Feiertagen nach Hause gekarrt. Tonnen von Lebensmitteln landen im Müll. Wir jammern über die hohen Preise, wir jammern über Lkw-Verkehr und über Staus.

Aber wir essen zu Weihnachten Erdbeeren aus Spanien, im Februar Heidelbeeren aus Südamerika, das ganze Jahr über Äpfel aus Chile, Weintrauben aus Südafrika oder Indien. Selbst ein in unseren Breiten heimisches Gewächs, das sich auch gut lagern lässt, wie Knoblauch, kommt aus China. Dass der Geschmack von Nahrungsmitteln, die unreif geerntet, bestrahlt und begast werden, um die langen Transportwege zumindest optisch zu überstehen, minderwertig oder gar nicht mehr vorhanden ist, stört Konsumenten offensichtlich nicht. Die Supermarktketten argumentieren damit, dass die Konsumenten diese Produkte nachfragen. Der Konsument argumentiert damit, dass er sie kauft, weil sie da sind.

Offenbar haben viele schon ihren Geschmacksinn verloren. Selbst Menschen, die sich das Etikett Gourmet umhängen, sind heute nicht mehr in der Lage, den Geschmack von naturreinen Obst- und Gemüsesäften zu unterscheiden. Wissen wir noch, wie Erdbeeren schmecken, die zur Erdbeerzeit auf heimischen Feldern geerntet wurden? Oder reife Weintrauben? Heimische Äpfel, die nicht gespritzt und begast wurden? Sie haben noch ihren unverwechselbaren Eigengeschmack, brauchen keine Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker.

Brust oder Keule?

Mich erinnert das alles an den Film mit Louis de Funès: „Brust oder Keule“. Damals erschienen einem die Handlung und die Vorfälle beim Besuch in der Fabrik des Fertigproduktfabrikanten Tricatel völlig überzeichnet. Die Realität heute zeigt aber, dass wir von diesem Szenario nicht mehr weit entfernt sind. Dass Fischstäbchen aus gepressten Fischabfällen bestehen, wurde ohnehin schon vor Jahren festgestellt. Es gibt genauso wenig stäbchenförmige Fische wie lila Kühe. Es ist uns anscheinend im wahrsten Sinne des Wortes „Wurst“, was auf unseren Tellern liegt, Hauptsache schnell, Hauptsache billig.

Aber wenn wir hören, dass im Gulasch neben Rind- auch Pferdefleisch ist (das übrigens früher als Delikatesse galt), schreien wir Alarm und fühlen uns betrogen. Dabei betrügen wir uns schon die ganze Zeit selbst. Wir wollen meist gar nicht hinterfragen, woher die Lebensmittel kommen und wie sie „hergestellt“ werden.

Weniger ist mehr

Nicht nur die Fastenzeit ist dazu angetan, innezuhalten, zu prüfen, was wir essen, und da würde auch schon eine simple Reduktion genügen. Wir sind unersättlich geworden. Nicht nur die Börsenspekulanten. Wir leben im Überfluss und können trotzdem den Hals nicht vollkriegen. Eine einfache Mahlzeit, mit Genuss gegessen, kann wesentlich befriedigender sein als ein kompliziertes Gericht voller Zusatzstoffe und exotischer Zutaten.

Es wundert angesichts dieser Tatsachen nicht, dass es verschiedene Gegenströmungen gibt. Von den Veganern bis zu den Makrobiotikern. Ich halte es gerne mit Buddha und bin für den Mittelweg. Eine Küche mit wenigen, möglichst regionalen Zutaten ist bekömmlicher und geschmackvoller. Und weniger ist sowieso mehr. Deshalb geht auch jeglicher Lebensmittelskandal spurlos an mir vorüber.

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TransWrite · Erika Krammer-Riedl · office@transwrite.at             
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